Jordanien 2025

Jordanien 2025

Autoren: Anke und Joachim

Datum: Februar 2025

Wir verlassen Saudi-Arabien mit einem guten Gefühl und vielen tollen Erinnerungen und freuen uns nun auf Jordanien. Ein Land, wie wir auch im weiteren Verlauf unserer Reise durchs Land feststellen werden, das so gar keine Gemeinsamkeiten mit den Golfstaaten aufweist. Es beginnt schon an der Grenze. Alle Beamten sind am Rauchen, im Freien, in den Amtstuben oder bei der Versicherung für den ULG. Und es gibt einen Duty-free-Shop der in einem abgetrennten Raum Alkoholika verkauft. Eine Flasche jordanischen Weißwein und eine große Flasche Wodka reisen nun mit uns. Der Unterschied beim Lebensstandard wird uns auf den ersten gut 200 Km auch deutlich vor Augen geführt. Die Bevölkerung lebt in sehr einfachen Verhältnissen. Die Häuser klein, die Autos davor alle schon recht betagt und die Straße ist auch in einem schlechten Zustand. Die Straßen werden mitunter besser, aber das Wohlstandsniveau liegt deutlich unter dem der Golfstaaten. Und was uns geradezu schockiert, ist der Plastikmüll der in der ganzen Landschaft herumliegt. Unfassbar welches Ausmaß die Vermüllung in Jordanien erreicht hat.

Petra

Gegen Nachmittag kommen wir dann in Petra an und können auf dem riesigen Besucherparkplatz, direkt am Eingang zur archäologischen Stätte parken. So gefällt uns das. Zum Abendessen haben wir uns ein nettes Restaurant rausgesucht, gehen ein paar Meter zu Fuß und werden dort mit wunderbaren Vorspeisen und einem klasse Hauptgang verwöhnt. Aufgrund des Gaza Kriegs sind praktische keine Touristen in Petra. Zu friedlicheren Zeiten sind es gut eine Million Besucher im Jahr. So sitzen wir fast alleine im doch großen Restaurant.

Am nächsten Morgen, nach einer kalten Nacht, das Thermometer zeigt 4 Grad, wird es mit der Sonne aber schnell angenehm. Wir schnüren die Wanderschuhe, packen unseren Rucksack und machen uns auf den Weg. Wir hatten uns im Vorfeld schon Eintrittskarten für zwei Tage gebucht, sodass wir es gemütlich angehen lassen. Nach zwei Kilometer erreichen wir den Eingang zum Siq. Ein schmaler Canyon in den kaum die tiefstehende Sonne scheint und der sich über fast drei Kilometer zu der berühmtesten Sehenswürdigkeit von Petra windet, dem Schatzhaus Al Khozneh. Die wenigen Besucher vor der mächtig aufragenden Felskulisse sind überschaubar. Wir waren 1998 schon einmal in Petra, aber der Anblick begeistert einfach, wenn man aus dem schmalen Canyon herauskommt. Wir kaufen Tee und Kaffee an einem der Stände, sitzen in der Sonne und lassen das Bauwerk der Nabatäer aus dem 1. Jh. v. Christus auf uns wirken, bevor wir weitermarschieren.

Es geht vorbei an der Fasadenstraße zum komplett aus dem Felsen geschlagenen Theater, welches die Römer hier angelegt haben, nachdem sie die Nabatäer ins römische Reich eingegliedert hatten.

Entlang einer Kolonnade liegt der faszinierende Große Tempel. Interessant zu sehen sind die umgestürzten Säulen. Jordanien liegt am nördlichen Ende des ostafrikanischen Grabenbruchs und so kommt es zu schweren Erdbeben im Lauf der Zeit. Ein weiterer Tempel sieht allerdings noch gut aus. Der Grund sind Holzbalken die zwischen den Steinen integriert wurden und die in der Lage sind, die Erdbebenwellen weitestgehend zu absorbieren.

Zum Nachmittag führt uns der Weg dann zu den Königsgräbern die nun wunderbar von der Sonne beschienen werden. Beim Abstieg und auf dem Rückweg zum Ausgang erhalten wir noch eine Einladung, um einen Beduinentee zu trinken. Es ist ein schwarzer Tee, sehr süß und mit Kräutern angereichert. Stärkung für die kommenden sieben Kilometer zurück zum ULG. Dort angekommen sehen wir, dass der Tracker für die Tour genau 17 Kilometer aufgezeichnet hat. Dementsprechend sind wir auch ein bisschen kaputt und ein später Mittagschlaf ist nun genau das Richtige.

Gut geschlafen, gut gefrühstückt machen wir uns am folgenden Tag auf, eine andere Gegend von Petra zu erwandern. Wieder geht es durch den Siq, der auch beim zweiten Mal seinen Reiz entfaltet. Wenige Meter hinter dem römischen Theater nehmen wir den Weg zum „high place“ eine kultische Opferstätte, die wie der Name sagt, auf einem Plateau liegt, welches ganz Petra überblickt. Wir brauchen fast eine Stunde bis wir oben sind, aber der Weg hat sich gelohnt. Nur von hier oben erschließt sich, wie groß und weitläufig das Gebiet ist, in dem die Nabatäer ihre Höhlengräber zwischen 200 v. Chr. und 200 n.Chr. in den nackten Felsen geschlagen haben.

Auf dem weiteren Weg zurück ins Tal, kommen wir noch an der Löwenquelle vorbei, dem nicht mehr grünen Garten und dem Grab eines römischen Soldaten, also eher einem General. Dann machen wir erst einmal Mittagspause mit einem leckeren Falafelsandwich.

So gestärkt gehen wir den Weg hinauf zum Kloster Ad-Dier, bzw. die vielen Stufen. Für uns eher enttäuschend, denn praktisch der gesamte Weg ist von kleinen und größeren Souvenirständen gesäumt. Dazu kommen noch die Esel und Muli für die Eintagestouristen die den Anstieg oder Abstieg nicht mehr schaffen. Es riecht durchaus nach den Hinterlassenschaften der Tiere. Nach einer Dreiviertelstunde sind wir oben und die Fassade des Klosters leuchtet in der Nachmittagssonne. Störend ist der Rummel der davor herrscht, ausgehend von den Mulitreibern im „Jonny Depp Look“, die einfach nichts zu tun haben mit den wenigen Touristen. 1998 hatten wir diesen Platz fast für uns alleine. Die einst abgeschiedene Atmosphäre ist verschwunden, vor allem durch ein großes Restaurant gegenüber des Felsenklosters. Wir machen uns an den Abstieg, durchqueren nochmal das Tal, bewundern die Königsgräber ein weiters Mal und machen uns dann auf den fünf Kilometer langen Rückweg. Am ULG angekommen stehen für heute 20 Kilometer auf dem Tracker und so fühlen wir uns auch. Kaputt, aber glücklich.

Totes Meer und Jordangraben

Der nächste Morgen zeigt sich dann so wie der Wetterbericht es vorhergesagt hatte. Wolken, acht Grad, windig und der eine oder andere Regenschauer. Wir sitzen gemütlich mit laufender Heizung beim Frühstück und überlegen, was wir die nächsten Tage machen sollen, da der Wetterbericht noch drei oder vier Tage, Wind, Wolken und Regen vorhersagt. Am Toten Meer sieht das Wetter allerdings passabel aus und so fahren wir mit diesem Ziel los. Bevor wir dann in den Jordangraben hinab fahren, stellen wir am ULG die Navigation an und können mit jedem Meter Fahrt sehen wie tief es hinunter geht. Erst mal Null Meter über Meereshöhe und zum Schluss landen wir bei minus 360 Meter. Was sich auch mit jedem Meter ändert ist die Landschaft. Das Plateau noch karg, steinig, trocken und im Jordantal dann alles grün. Landwirtschaft an jeder Ecke. Angebaut wird Gemüse und Salat das direkt an der Straße verkauft wird. Dazu Bananen, Zitrusfrüchte und Datteln. Ein Garten Eden, wenn nicht überall der Plastikmüll herum liegen würde. Wir können uns an den Anblick einfach nicht gewöhnen. Was uns auch auffällt, sind einfache Zelte die zwischen den Feldern und kleinen Siedlungen stehen. Syrische Flüchtlinge, die hier gelandet sind, auf der Flucht vor dem Krieg im Heimatland. Jordanien ist das Land mit der prozentual höchsten Flüchtlingsrate weltweit, bezogen auf die originäre Bevölkerung. Da wir hier im Dreiländereck, Jordanien, Syrien und Israel bzw. Westbank unterwegs sind, ist Krieg und seine Folgen immer präsent. Das macht es auch schwierig einen Stellplatz für die Nacht zu finden. Am Ufer des Toten Meeres läßt das jordanische Militär keine Touristen übernachten. Wir haben etwas Glück und finden einen guten Platz oberhalb der Uferstraße mit Blick aufs Tote Meer. Sobald die Sonne untergegangen ist, leuchten am gegenüber liegendem Ufer die Kibbuze der jüdischen Siedler und Jerusalem mit seinem Lichtschein ist auch gut in der Nacht auszumachen.

Am nächsten Morgen hängen immer noch dicke Wolken am Himmel, aber es regnet nicht. Hin und wieder bricht sogar die Sonne durch und wir steigen von der Uferstraße zum Ufer des Toten Meeres hinab. Der Wasserspiegel soll im Jahr um 1m sinken und so liegt das Ufer auch ziemlich weit unterhalb der Straße. Leider ist es zu kalt und zu windig für ein kurzes Bad. Mit dem kleinen Finger probiert Joachim das salzige Wasser. Unglaublich wie salzig, nur mit der Zungenspitze probiert, bleibt der Salzgeschmack noch gut 20 Minuten im Mund hängen. Die bizarren Formen des Salzes am Ufer und das blau leuchtende Wasser sind faszinierend. Am Nachmittag drehen wir noch eine Runde durch die Berge und parken weit oberhalb des Toten Meeres. Von hier können wir mit dem Fernglas die goldene Kuppel des Felsendoms in Jerusalem ausmachen.

Madaba und Mount Nebo

Die nächsten beiden Tage sind unsere „Mosaik Tage“. Im Norden von Jordanien liegen etliche römische und byzantinische Tempel, sowie einige früh-christliche Kirchen, in den noch sensationell erhalten Bodenmosaike zu bestaunen sind. Mit dem nach wie vor kalten und regnerischen Wetter sind kleine Museen genau das richtige. Begeistert hat uns die Pilgerkirche auf dem Mount Nebo, von dessen Gipfel aus Moses das Heilige Land erblickt haben soll. Das Gelände wird von Franziskaner Mönchen verwaltet und ist eine kleine Oase Europa in Jordanien. Fussböden, Treppengeländer, Eingangstüren. Alles piekfein, das saftige Eintrittsgeld ist gut angelegt. Die Mosaike sind bestens erhalten und zeigen Jagdszenen, Haustiere und auch exotische Tiere, wie einen Vogel Strauß und Löwen. Umrahmt sind die Szenen von farbigen geometrischen Mustern.

In der St. Georg`s Kirche in Madaba bestaunen wir die Reste einer großen Landkarte welche vom Toten Meer über Jerusalem bis ins Nildelta die heiligen Stätten verzeichnet.

Jerash

Da das Wetter nun langsam besser wird, nehmen wir uns die Ruinenstätte Jerash als nächstes Ziel. Eine riesige Anlage, die wir durch den Hadriansbogen betreten. Es geht vorbei an einem Hippodrom, um dann durch einen weiteren Bogen auf den gut hundert Meter messenden, fast kreisrunden Hauptplatz zu treten. Die umgebenden Säulen sind fast alle noch über die Jahrhunderte stehen geblieben. So ergibt sich ein tolles Gesamtbild. Von dort folgen wir der gut einen Kilometer langen Kolonnade. Ebenfalls links und rechts mit mächtigen Säulen versehen, bis wir zum wunderbar erhaltenen Nymphaeum kommen. Ein riesiger Brunnen, an dem die Römer die öffentliche Wasserversorgung fast schon zelebriert haben. Wir staunen, lassen das Nymphaeum links liegen und steigen durch ein riesiges Portal etliche Stufen hinauf zum Tempel der Artemis. Leider ist es schon spät am Nachmittag und ein Besuch der Reste des Temples wird von den Mitarbeitern verweigert und die Bitte ausgesprochen, doch langsam wieder zum Ausgang zu gehen. So machen wir es und sind erstaunt, daß wir für den Rückweg zum ULG doch 20 Minuten brauchen. Dort angekommen klären wir mit der Touristenpolizei ab, ob wir auf dem aktuellen Parkplatz die Nacht über stehen können. „Nein“ hier nicht, aber ein junger Polizist wird zu uns ins Auto gesetzt und der navigiert uns zu einem anderen Parkplatz, direkt am Eingang zur Ruinenstätte und genau gegenüber der Station der Touristenpolizei. Zwar etwas laut mitten in der Stadt, aber nur bis der Verkehr Nachts abnimmt, dafür sehr komfortabel für uns und ein leckeres Restaurant gleich um die Ecke.

Amman

Unsere nächste Station ist die Hauptstadt Amman, nur 80 Kilometer südlich von Jerash. Hier müssen wir uns um die täglichen Dinge des Reisens kümmern. Erster Stopp ist eine Self Service Wäscherei. Wir haben einen riesigen Berg an Schmutzwäsche, dazu noch Bettwäsche und Handtücher, und so verbringen wir hier gut drei Stunden und sind am Ende 50 Euro leichter.

Als nächstes beginnt die Suche nach Kanistern für Diesel für die weitere Reise in den Irak. Der Diesel ist dort von so schlechter Qualität, dass wir das nicht dem ULG und unserer Dieselheizung zumuten wollen. In einem Geschäft für Off Road Ausrüstung, welches erstklassige Kanister verkauft, kommt Joachim mit Jamil ins Gespräch. Er erklärt ihm, dass diese Kanister für uns nicht passen, da wir diese nur einmal nutzen werden und dann wegwerfen. Er schlägt vor bei ihm morgen in seiner Fabrik vorbei zu kommen. Er hat noch leere Kanister in denen ursprünglich Motoröl für LKW enthalten war und er hat genügend davon. So treffen wir ihn am nächsten Morgen und nehmen sechs Kanister mit, die zusammen 140 Liter fassen. Das sollte uns gut reichen. Den restlichen Tag verbringen wir im Staugeplagten Amman auf dem Weg zu einem Platz für die Nacht, der in einem großen Park in der Innenstadt liegt. Dort müssen wir um 21:00 die Verwaltung und die Polizei davon überzeugen, dass wir hier eine Nacht stehen können. Es wird hin und her telefoniert und nach 20 Minuten ist klar. OK, für eine Nacht können wir bleiben.

Am darauffolgenden Tag ist nun Sightseeing in Amman dran. Wir warten den morgendlichen Verkehrsstau ab und fahren dann zur Zitadelle. Diese liegt auf einem der sieben Hügel von Amman und von dort haben wir einen tollen Blick auf die weit ausgreifende Stadt mit ihren vier Millionen Einwohnern.

Im Talgrund besuchen wir noch das sehr gut erhaltene römische Theater mit Platz für 6000 Menschen, bevor wir weiter in den Souk gehen.

Nach vielen doch eher sterilen Shopping Malls in den Golfstaaten, kommt uns das pulsierende und pralle Alltagsleben hier im Souk eher entgegen. Noch einen späten Falafel Imbiss im Souk und so gestärkt stauen wir uns aus der Stadt hinaus in einen Park in dem wir unter Pinien unsere Jordanien Erlebnisse bei einer Tasse Tee und Baklava austauschen.

Auf dem Weg zur irakischen Grenze

Nun freuen wir uns auf den Irak. Auf dem Weg dorthin nehmen wir an der Strecke noch die sogenannten „Wüstenschlösser“ mit. Das erste zeigt sich eher als eine Art Karawanserei, das zweite als kleines Lustschloss eines Omajdan Prinzen. Dieses ist auch UNESCO Weltkulturerbe aufgrund der sehr besonderen Ausmalung der Innenräume. Unter anderem eine fast nackte Frau stehend in einem Wassergefüllten Becken. Wir hätten eher die Zerstörung etlicher Wandmalereien erwartet.

Das letzte „Schloss“ aus dunklem Basalt ist eher eine Burg, gedacht zur Verteidigung. Von hier sind es noch knapp 300 Kilometer bis zur Grenze in den Irak.