Saudi Arabien 2024/2025
Teil 1: Der Nord-Osten bis Katar
Autoren: Anke und Joachim
Datum: November 2024
Für die Ausreise aus Kuwait und die Einreise nach Saudi-Arabien vergeht gerade mal eine Stunde. Beim Zoll für die Fahrzeugpapiere geht es so zügig, dass einer der Zöllner uns noch schnell zwei Flaschen Wasser ins Auto reichen kann und mit einem „Welcome to Saudi-Arabia“ zum Schalter für die Autoversicherung weiterschickt. Die Grenzanlagen auf beiden Seiten sind sehr groß. Vor den Toren jeweils riesige Parkplätze. Anschließend 10 Spuren zur Abfertigung. Wir rätseln kurz, aber schnell ist uns klar. Wenn die Zeit der Hadj ist, also die Pilgerfahrt nach Mekka, dann fahren viele mit dem Auto nach Mekka und dafür braucht es dann auch die sehr großen Anlagen.
Für uns geht es erst einmal 100 Kilometer auf guten Straßen schnurrgerade aus durch die Wüste in die Stadt Hafar al Batin. Zu unserer großen Überraschung eine Stadt mit 700.000 Einwohnern und einem entsprechenden Verkehrsaufkommen. Platz ist genug und die Stadt daher sehr weitläufig. So brauchen wir doch recht lange bis wir durch sind und das südliche Ende erreichen und wieder in der Wüste weiterfahren. Die Willkommenskultur der Saudis lernen wir gleich an einer Tankstelle kennen. Wir halten an einem für Saudi-Arabien typischen „Drive-thru“-Schalter für Tee und Kaffee. Als wir gerade zahlen wollen, hält eine Auto mit drei jungen Saudis an. Die üblichen Fragen woher, wohin und dann wollen sie unbedingt unseren Tee und Kaffee bezahlen. Natürlich gibt es noch ein Fotoshooting, das machen wir doch gerne.



Da im November gegen 17:00 die Dämmerung einsetzt und um 17:30 die Sonne untergangen ist, suchen wir uns einen Platz mitten in der Wüste, etwas abseits der Autobahn. Wir holen unsere Stühle aus dem Auto, stellen den Tisch auf, knipsen die Tischlampe an und mischen uns ein eiskaltes Radler – ohne Alkohol versteht sich! – und freuen uns, dass wir in Saudi-Arabien angekommen sind. Wir hatten so lange davon gesprochen und sind nun tatsächlich hier!
Unser erstes Ziel ist die Kleinstadt Al Ghat. Eine von ein paar wenigen Städten in der die Jahrhunderte alte Nadj Architektur noch zu sehen ist. In Al-Ghat sind einige Häuser restauriert und vermitteln zwischen den eingefallenen Häusern einen guten Eindruck, wie die Stadt einst ausgesehen hat. Orange-gelbe Lehmziegel bilden die Wände, verputzt mit Lehm und Stroh und in manchen Häusern finden sich auch Dekorationen an den Wänden. Die Abschlüsse der Mauern sind mit weißem Kalk bestrichen, um diese vor Regen zu schützen. Da der Tourismus noch in den Kinderschuhen steckt, sind wir erstaunt, dass schon ein Wanderweg angelegt wurde. Wir folgen dem Weg bergauf und freuen uns über den tollen Blick über die Altstadt und das Wadi mit seinen Dattelpalmen.







Al-Ghat und weitere Nadj-Städte liegen alle im Wadi Hanifa und hatten über Jahrhunderte Bedeutung als Karawanenstützpunkte. Das Wadi Hanifa zieht sich über 600 Kilometer von Riad nach Nordwesten und war Teil der Weihrauchstraße, die letztlich am Mittelmeer endete.
In Ushaiqer begegnen wir beim Erkunden der Altstadt einem Saudi, der lange in den USA gelebt und gearbeitet hat, heute aber in Dammam am Meer lebt und sein Elternhaus besichtigte. Dieses ist leider so zerfallen, dass es nicht mehr zu retten ist. Er nimmt uns mit auf einen Spaziergang durch die Stadt und erzählt aus seiner Kindheit, zeigt uns die Brunnen, erklärt uns die Notwenigkeit von zwei Stadtmauern. Eine äußere Mauer für die Ziegen und Schafe in der Nacht und eine innere Mauer zur Verteidigung gegen räuberische Beduinen, bzw. verfeindete Stämme. Wir laufen weiter durch die Stadt und bekommen mit unserem Führer auch Einblick in die alte Moschee und in die Schule.
















Am nächsten Tag machen wir noch einen Stopp in der Nadj-Stadt Shaqra. Hier gibt es einen wunderschönen Palast und ein herrschaftliches Haus zu besichtigen, dass man liebevoll restauriert hat.














Unser erster großer Höhepunkt soll die „Edge of the World“ werden. Eine mehrere hundert Meter senkrecht abfallende Steilwand, die sich über dutzende Kilometer in Nord-Süd Richtung über der Wüste erhebt. In wunderbar warmes Licht versetzt, durch die untergehende Sonne. Da die Felskante nur über Pisten zu erreichen ist und es nicht ganz klar ist, wo sich der Einstieg befindet, beratschlagen wir mit Thea und Nick, mit denen wir uns verabredet haben, an welcher Stelle wir den Pisteneinstieg suchen sollen. Neben uns hält ein Toyota Land Cruiser, drin zwei junge Saudis die fragen, ob wir Hilfe brauchen. Ja! Wir suchen den Pisteneinstieg zur „Edge of the World“. Ein Einfaches „follow me, we show you“ und schon geht es los. Raus aus der kleinen Ortschaft, dann 15 Kilometer auf einer kleinen Asphaltstraße und weitere sieben Kilometer Piste. Wenn man weiß wo der Einstieg ist, ist der weitere Weg dann nicht zu verfehlen, zumal wir dann auch noch ein stattliches Eingangsportal passieren. Als wir ankommen, sind wir die ersten Besucher. Die beiden Saudis verabschieden sich und wir sind alleine hier. Es ist Mittagszeit und so sitzen wir mit ein paar Sandwiches im Schatten des Sprinter. Joachim hält es nicht länger und klettert schon mal zu den Aussichtspunkten entlang der Felskante. Was ein Anblick! Wo ist wohl der beste Platz für den Sonnenuntergang? Langsam neigt sich die Sonne dem Horizont und weitere Touristen kommen zu diesem spektakulären Ort mitten in der Wüste. Es ist Freitag, also der Arbeitsfreie Tag in Saudi-Arabien und kurz vor Sonnenuntergang ist der Platz mit einigen hundert Touristen bevölkert. Für unseren Geschmack dann doch ein paar zu viel. Für die Nacht fahren wir auf eine Nebenpiste und haben dort unsere Ruhe.












Zum Sonnenaufgang erkunden wir zu Fuß einen anderen Teil dieser grandiosen Landschaft. Im Morgenlicht leuchtet das Gestein eher pastellfarben im Vergleich zum rotorangenen Licht des Sonnenuntergangs. Es ist Samstag, erster Arbeitstag der Woche und so haben wir die ganze Gegend für uns alleine.







Auf die Hauptstadt Riad mit ihren sieben Millionen Einwohnern sind wir besonders gespannt. Da wir von Westen her auf die Stadt zufahren, ist unser erster Stopp im Diriyah Viertel, in dem auch das UNESCO Weltkulturerbe Al Turaif liegt liegt. Das Erste was wir erleben, ist eine riesige Baustelle mit bestimmt 70 oder 80 Baukränen. Daneben der schon fertig gebaute Teil des Diriyah Viertels. Einen Parkplatz finden wir erst nach mehrmaligem hin und her kurven. Von den 2.000 freien Tiefgaragenplätzen haben wir nichts, der ULG ist schlicht zu hoch. Die Anlage, die auch dutzende Restaurants umfasst, kann erst betreten werden, wenn eine App installiert ist, alle persönlichen Daten eingegeben und dann ein QR-Code zurückkommt, der dann von einem freundlichen Saudi abgescannt wird. Bis 16:00 ist der Eintritt frei, danach 25€ pro Person, dann allerdings mit Verzehrgutschein. Komische Kombination für eine Weltkulturerbestätte. Seis drum, wir sind drin und machen uns auf den Weg zur Ruinenstadt Al Turaif, überqueren dabei das Wadi Hanifa und werden dann von einem der zahlreichen Aufpasser zum Eingang in die Ruinenstadt geleitet. Wie auch in Ushaiqer, war hier alles im Stil der Nadj Architektur gebaut. Nur hier so penibel und steril restauriert und wieder aufgebaut, dass keinerlei Atmosphäre aufkommt und wir schlicht dem vorgegeben Weg folgen. Die Anlage wurde 1808 von den Osmanen zerstört und erstaunlich dabei, dass sie die Moschee ebenfalls bis auf die Grundmauern zerstörten. Am Ende des Rundgangs am frühen Nachmittag nehmen wir noch Platz in einem Café mit schönem Blick über das mit Palmen bestandene Wadi. Cappuccino und Minztee, macht 15€, ganz schön happig.





Wir beschließen uns einen Platz für die Nacht in der Stadtmitte zu suchen und finden ein ruhiges Plätzchen auf dem Parkplatz des Nationalmuseums. Angekommen stellen wir fest, dass die Museen am Sonntag geschlossen sind, also morgen. Obwohl wir schon so viel gesehen und erlebt haben, beschließen wir das Nationalmuseum zu besuchen. Geöffnet bis 19:00 Uhr. Erfreulich, Eintritt gratis. Leider sind die Teile der Ausstellung geschlossen, die die Geschichte Saudi-Arabiens nach 1900 behandeln, das was uns am meisten interessiert hätte. So wird es ein recht schneller Durchgang.
Der gegenüberliegende Murabba Palast, gebaut zwischen 1936 und 1945, vom Gründer des neuzeitlichen Staates Ibn Saud ist bis 20:00 Uhr geöffnet und auch gratis. Uns faszinieren, im modernen angebauten Teil, die vielen schwarzweiß Fotografien der Jahre 1908 bis zum Tod Ibn Sauds 1953. Der König mit Repräsentanten umliegender Staaten, Stammesführern oder den Kolonialbeamten Großbritanniens, die im Mittleren Osten zu der Zeit mit den Osmanen die militärisch bestimmenden Mächte waren. Zwei beeindruckende Fotografien zeigen Riad 1950 und Ibn Saud mit einer syrischen Delegation 1934.








Der zweistöckige Palast selbst ist gebaut aus Lehmziegeln und Palmenholz und hatte bei seiner Fertigstellung die erste Wasserspülung einer Toilette in Saudi-Arabien. Insgesamt ein eher bescheidenes Anwesen. Was ein Wandel zum Prunk und Protz zwei Generationen später.
Diesem Image wollen wir am folgenden Tag nachgehen und fahren zum Al Safat Platz und der daneben liegenden großen Moschee. Von außen wenig zu sehen, hinein dürfen nur Moslems. Wie der nur arabisch sprechende Wächter erkennt, dass wir keine Moslems sind? Der nüchterne Platz hat allerdings eine spezielle Bedeutung. Hier wurde bis vor wenigen Jahren die Todesstrafe nach dem Freitagsgebet in der Öffentlichkeit mit dem Schwert vollzogen. Schauriges Detail. Der Kopf wird wieder angenäht damit der Hingerichtete nach islamischem Ritus auch bestattet werden kann. Wir wenden uns dann dem Goldsouk zu, der uns allerdings enttäuscht. Wenig Glam und Glitzer. In einer Nebengasse stoßen wir auf Teppichhändler und kommen mit einem ins Gespräch, der besonders schöne Teppiche in der Auslage zeigt. Sie stammen, wie der Händler selbst, aus Afghanistan. Es entwickelt sich ein interessantes Gespräch um den aufkommenden Tourismus in seiner Heimat und die guten Taten der Bundeswehr in Mazar-i-Sharif. Für einen Teppich haben wir keinen Platz, können uns aber vorstellen vor Ort mal einen zu kaufen.


Zum Abschluss unserer Riad Besichtigung fahren wir noch zum Kingdom Tower. Höchstes Gebäude der Stadt mit 308 Metern Höhe. Steht als Solitär etwas verloren in der Gegend. Denkbar, dass kein anderes Gebäude in der Nähe höher sein soll? Im Gebäude selbst: Ein Hotel, eine Shopping Mall und Büros. Also nichts wirklich Aufregendes. Mit dieser Erfahrung entscheiden wir Riad zu verlassen. Uns hat die Hauptstadt eines der reichsten Länder der Erde enttäuscht. Wir konnten nichts besonders Faszinierendes hier finden.



Der weitere Weg nun nach Westen, Richtung persischem Golf und den großen Häfen. Auf der rechten Spur der dreispurigen Autobahn reiht sich ein LKW an den anderen, notwendig um die Einwohner Riads zu versorgen.


Nach 200 Kilometern biegen wir ab, fahren eine einfache Piste in die Wüste hinein und sehen am Horizont schon unser Ziel. Der Judah Daumen. Ein ca. 150 Meter hoher Felsklotz der auf einem Hügel thront und so ganz alleine in der Landschaft steht. Wir stellen den ULG so ab, dass wir den ganzen Tag den Felsen im Blick haben und genug Schatten. Über die Mittagszeit hat es 33 Grad. Durch den ständigen Wind lässt es sich aber gut aushalten. Am Spätnachmittag umrunden wir den Felsen dann zu Fuß und staunen über die schiere Größe wenn man näherkommt. Im Licht des Sonnenuntergangs, mit den langen Schatten, ist er am beeindruckendsten.








Der nächste Morgen beginnt mit stürmischem Wind, der immer stärker wird. Wir packen schnell zusammen, denn der Wind weht schon Sandfahnen über den Boden. Zurück zur Autobahn und bis Al Hofuf den nächsten Ort, den wir uns anschauen wollen, stürmischer Gegenwind. Der Sprinter braucht 50% mehr Diesel, aber bei 30 Eurocent der Liter bleibt der Fuß eben auf dem Gas. In Al Hofuf kommen wir zu einer ungünstigen Zeit an. Die Museen schließen in Kürze und die Läden im Souk öffnen erst gegen 16:00 oder später. Wir sind unschlüssig, haben so viel gesehen und erlebt die letzten Tage, bräuchten jetzt eine Pause. Schön, dass Al Hofuf die größte Oase weltweit ist, mit über einer Millionen Dattelpalmen und so parken wir im Schatten einer dieser Palmen. Kochen uns einen Minztee und lassen die Hitze des Tages an uns vorbeiziehen. Ausgeruhter machen wir nun einen Plan für die nächsten Tage. Am Spätnachmittag besuchen wir noch eine Höhle, die im Bergrücken des Jebel Qarah liegt. Auch hier ist die Präsentation perfekt und für uns steril. Der Weg zur Höhle und in der Höhle gefliest, ein Arbeiter ist mit Besen und Schaufel unterwegs, den Weg auch Staubfrei zu halten. Höhlen begeistern uns grundsätzlich schwer, so ist es auch hier. Ganz nett. Schon wesentlich interessanter sind die verwitterten Randgebiete des Jebel Qarah, mit den von der Erosion geformten Felsen und Schluchten. Zum Sonnenuntergang steigen wir noch etwas den kleinen Berg hinauf und sind zurück bis es dunkel wird. Morgen früh dann eine längere Tour durch das steinerne Labyrinth.










Die Mittagshitze des folgenden Tags verbringen wir im Schatten eines dieser Canyons und fahren dann in die Stadt, um die interessanten Gebäude anzuschauen. Al Hofuf und die ganze Oasenregion ist UNESCO Weltkulturerbestätte. Als erstes ein geschichtsträchtiger Ort, das Al Mulla Haus. Gebaut 1788 von Sheikh Abdul Rahman al Mulla, Gouverneur der Region. Hier hat im Jahr 1913 Ibn Saud auf seinem Eroberungsfeldzug von Kuwait kommend, die hier lebenden Stämme davon überzeugt, dass es mit ihm besser wäre, als weiter unter osmanischer Herrschaft zu leben. Gemeinsam haben sie dann die Osmanen aus der Festung Qasr Ibrahim vertrieben, die wir als nächstes anschauen.



Hohe und zugleich dicke Mauern, nur zwei kleinere Eingänge. Warum der osmanische Sherif unter Abgabe seiner Munition und Kanonen freies Geleit angenommen hat? Wir drehen eine Runde durch die Anlage, die als Fort über eine bemerkenswert große Moschee verfügt. Hier kommt uns die Renovierung entgegen, es gefällt uns und da wir die einzigen Besucher sind, haben wir die Anlage für uns.







Ein paar Straßenzüge weiter liegt der Souk al Qasriyah. Das Eingangsportal wurde aufwändig renoviert und die alten Läden ebenfalls. Es gibt in den vielen Ständen nur Bekleidung und Schuhe zu kaufen. Wo sind die Stände mit Obst, Gemüse, Gewürzen und Haushaltswaren? Im Sommer wird es hier über 50 Grad heiß und das über mehrere Wochen hinweg. Alle Frischwaren werden nur noch im Supermarkt verkauft. Da kommt keine arabische Souk Atmosphäre auf und so gehen wir weiter. Wir laufen durch Nebenstraßen und Hinterhöfe der Stadt zurück zum Parkplatz. Die Wohngebäude mitunter ziemlich runtergekommen und etliche auch nicht mehr bewohnbar. Saudi-Arabien ist eben doch nicht das superreiche Land für alle, in dem alles glänzt. Wir haben genug vom urbanen Leben und freuen uns nun auf ein paar ruhige Tage am Strand.


Bis zum Strand sind es nur ein paar Kilometer und dort finden wir eine kilometerlange Anlage mit Palmen, Grasflächen und fest installierten Pavillons. Wir parken den ULG 25 Meter vom Wasser an einem dieser Pavillons und richten uns ein. Es ist noch früh am Donnerstag, aber wir können schon sehen wie sich das Areal füllt. Die Saudis kommen mit Sack und Pack. Zelte, Grill, Liegematten, Wasserpfeifen, Windschutz, Frischwasserkanister, Spielsachen für die vielen Kinder und was sonst noch so gebraucht wird für einen Tag und eine Nacht am Strand. Das Wasser ist nicht tief und zum Schwimmen leider nicht geeignet. Die Frauen waten mit geschürztem Tschador durchs seichte Wasser und die Kinder plantschen am Rand. Freitag wird es dann richtig voll. Gegen Nachmittag sind wir von drei Seiten umstellt. Wir schauen was die Saudis machen und die Saudis schauen was wir machen. Von unseren Nachbarn werden wir reichlich mit Getränken und Lebensmitteln beschenkt. Diverse Kuchen, Kaffee, Obst, ein komplettes Mittagessen Reis mit Hühnchen, gegrillte Maiskolben und Knabberzeug. Einige sprechen gut English und es ergeben sich nette Gespräche. Wir erfahren, dass es im Sommer so heiß ist und die Kinder monatelang nicht draußen spielen können. In den Monaten November bis Februar dagegen versuchen die Familien so viel Zeit wie möglich im Freien zu verbringen. Deshalb ist der Strand auch am Wochenende in diesen Monaten besonders voll. Alles aber sehr angenehm. Kein Lärm, kein Geschrei, keine Musik. Wie überall auf der Welt gibt es aber auch ein paar Poser, die am Strand auf und ab fahren. Lassen die V8 Motoren aufheulen, aus manchen Autos schalt laute Musik und die Buggys machen ohne Schalldämpfer eh fürchterlich Krach. Am nächsten Morgen sind alle verschwunden, erster Arbeitstag der Woche. Wir haben den Strand fast für uns alleine. Bevor wir aufbrechen hält ein roter VW T-Roc neben uns, den ersten VW überhaupt den wir sehen. Es steigt eine Amerikanerin aus mit ihrem saudischen Verlobten. Wir unterhalten uns lange über unsere Beobachtungen der letzten Wochen. Frauen die alleine ein Auto fahren, seit 2018 möglich. Frauen die alleine in die Öffentlichkeit gehen können ohne männliche Begleitung. Für uns so selbstverständlich, dass es uns eigentlich nicht auffällt. Am Strand sahen wir eine Gruppe Frauen ohne Schleier, die gemeinsam Shisha rauchten. Die Tochter der Amerikanerin möchte in Saudi-Arabien Richterin werden. Alles Veränderungen, die die saudische Gesellschaft in den nächsten Jahren wohl stark prägen wird. Wir erleben im Alltag allerdings eine nach wie vor sehr traditionelle Gesellschaft. Praktisch alle Frauen tragen Tschador und viele auch einen Niqab, den schwarzen Gesichtsschleier. Die jüngeren Frauen lassen unserer Beobachtung nach aber öfter den Niqab weg. Die für uns wichtigste Änderung bei der vom Königshaus vorgegebenen Öffnung der Gesellschaft ist ein 90 Tage Visum und die Tatsache, dass Frauen grundsätzlich keinen Schleier tragen müssen. Bis 2019 war Saudi-Arabien für den Tourismus ein abgeschlossenes Land. Dann kam noch die Covid-19 Pandemie und seit zwei Jahren sind Reisen wieder möglich.









Wir fahren nun vom Strand direkt in die funkelnde Hauptstadt von Katar nach Doha und sind gespannt was uns in diesem Land erwartet.
Teil 2: Rub Al Khali Wüste bis Al Ula
Datum: Januar/Februar 2025
Wüste Rub Al Khali
Für uns beginnt die größte Sandwüste der Welt mit einem Straßenschild an der Abzweigung zur Grenze nach Saudi-Arabien. Noch 51 km durch langweilige flache Wüste, die landschaftlich nichts zu bieten hat. Kurz vor der Grenze können wir am Horizont schon die ersten Sandberge ausmachen und freuen uns näher zu kommen. Die Grenze passieren wir in 1,5 Stunden und zum guten Schluss entscheiden die Zöller auch noch den ULG röntgen zu lassen. Was das bringen soll, erschließt sich uns nicht.



Am frühen Nachmittag geht die Fahrt dann weiter und wir tauchen ein in die Wüste und staunen über die riesigen Sandberge links und rechts der Straße. Die Straße ist gut in Schuss, da diese Grenze zwischen Oman und Saudi-Arabien erst Ende 2021 eröffnet wurde. Zu unserem Leidwesen läuft an der nördlichen Seite der Straße eine massive Leitplanke parallel zur Straße, so dass ein Abfahren in die Wüste hinein unmöglich ist. Zudem stört die Leitplanke auch den freien Blick in die Landschaft. Da die Grenze zu den Arabischen Emiraten nicht weit, Benzin und Diesel in Saudi-Arabien um einiges billiger ist und somit Schmuggel stattfindet, können wir uns die Leitplanke nur so erklären. So richten wir unseren Blick auf den südlich der Straße liegenden Teil der Wüste und suchen nach einem Platz wo wir parken können und die Nacht verbringen. Aber auch das ist schwierig, da aktuell Kabel auf dieser Seite der Straße verlegt werden und die Oberfläche tief aufgerissen ist. Ein Durchkommen unmöglich.


Kurz vor Sonnenuntergang findet sich dann ein Platz. Wir parken und erklimmen im letzten Sonnenlicht, den hinter uns liegenden Sandberg. Zurück am ULG kommt heftiger Wind auf, der reichlich Sand vor sich hertreibt und so verschwinden wir sofort im Auto. Nach Sonnenuntergang ist es auch recht frisch und so lassen wir die Heizung laufen und verbringen den Abend im Auto.







Am nächsten Morgen hat sich der Wind gelegt, die Sonne scheint und wir beschließen, einen der riesigen Sandberge zu erklimmen. Die schiere Größe ist schwer zu erfassen. Um bis auf den höchsten Kamm zu klettern, braucht Joachim gut 45 Minuten. Der Höhenunterschied vom Fuß der Düne bis zum Kamm beträgt 140 Meter, wobei es einem, durch die Anstrengung im mitunter tiefen Sand, mehr vorkommt. Von oben ist der am Straßenrand geparkte ULG nur noch ein kleiner schwarzer Punkt im Sandmeer. Eine unglaublich faszinierende Landschaft.




Da wir noch einen Tag Zeit haben, bis wir zur Dakar Rally stoßen, bummeln wir mit Tempo 60 auf der Asphaltstraße gemütlich die Dünenberge auf und ab. Die aktuelle mitunter vierspurige Straße führt einfach geradeaus über die Dünen. Die alte Straße, die wir an manchen Stellen noch sehen oder erahnen können, führte in Serpentinen die Sandberge hinauf und bergab. Wir finden auf einem alten Stück Straße noch einen Platz für die Nacht, erklimmen nochmals einen Dünenkamm und werden mit fantastischen Blicken belohnt.






Dakar Rally
Auf der gesamten Strecke von 600 Kilometer, von der Grenze bis in die erste Stadt in Saudi-Arabien, gibt es nur eine Tankstelle. Dort treffen wir auf die ersten Fahrzeuge der Dakar Rally. Es sind Wohnmobile für die Betreuer und Mechaniker der Privatfahrer, dazu einige Zuschauer so wie wir. Die großen Profiteams werden zentral mit Benzin und Diesel versorgt. Wir tanken auch und fahren danach noch 15 Kilometer weiter bis zur Abzweigung der Piste, die ins Camp der Dakar Rally führt.


Hier ist schon richtig was los. Wir werden von Motorrädern, Buggys und Race-Trucks überholt, die alle das Camp links liegen lassen. Wir können uns so recht keinen Reim darauf machen. Am Rand der Piste stehen einige Fotografen, zu erkennen an ihren orangenen Dakar Westen mit „Official Press“ Aufdruck. Die fragen wir was genau hier los ist. Die aktuelle Tagesetappe wurde gerade gestartet und wir sollen einfach den an uns vorbeibrausenden Motorrädern und Rally Fahrzeugen bis zum Start folgen. Gesagt – Getan. Und dann sind wir da. Und „DA“ heißt richtig „DA“. Wir können direkt mit anderen Zuschauern am Start stehen, wo ein Fahrzeug nach dem anderen im vorgegebenen zeitlichen Abstand startet und Richtung Dünen mit Vollgas losdonnert. Wir laufen dann weiter einige hundert Meter in die Dünen hinein und gesellen uns zu anderen Zuschauern. Es ist unglaublich wie nah die Fahrzeuge an einem vorbeifahren. Die Strecke ist hier mehr oder weniger genau vorgegebenen und so wühlen sich alle Fahrzeuge sehr spektakulär direkt vor den Zuschauern durch den Sand. Über uns kreist auch noch ein Hubschrauber der das Spektakel aus der Luft filmt und die Geräuschkulisse perfekt macht. Nach geschätzten drei Kilometern verschwinden die Rennautos und Motoräder hinter einem Dünenkamm und sind außer Sicht. Wir bleiben, bis auch die letzten Teilnehmer gestartet sind. Das sind große und scheinbar schwere LKW die eine alternative Strecke den Dünenkamm hinauf suchen und sich fürchterlich im Sand eingraben.









Kaum ist der letzte Starter durch, wird auch das gesamte Startequipment abgebaut. Die Zuschauer fahren zum Zieleinlauf der oberhalb des Camps liegt und wir folgen ihnen. Dort spielt sich das gleiche Spektakel nochmals ab. Die Fahrzeuge kommen über einen Dünenkamm, allerdings hört man sie bevor sie zu sehen sind. Der Motorensound ist einfach infernalisch laut. Vom Dünenkamm mit Schwung hinab Richtung Zuschauer und genau dort wo die Zuschauer stehen, hat die Natur eine gut fünf Meter hohe und steile Düne hin geblasen sodass die Fahrzeuge fast zum Stillstand kommen. Dann noch über diese letzte Düne und wieder Vollgas der Zeitnahme entgegen. Den Motorradfahrern sind die drei Stunden Dünenfahrt gut anzusehen. Einige können auf diesen letzten Metern einfach nicht mehr im Stehen fahren. Da dies die drittletzte Etappe ist, ist es auch nicht verwunderlich nach den schon gefahrenen paar tausend Kilometern Rally.




Wir werfen noch einen Blick auf das riesige Fahrerlager für einige tausend Menschen. In der Mitte ein riesiges weißes Bierzelt, in dem die Verpflegung für die Teilnehmer stattfindet. Drumherum stehen die Trucks, Werkstattwagen, Reifendepots, Massagezelte, Toiletten und Duschhäuschen und wer weiß was noch. Das ganze Camp ist eingezäunt und der Zugang wird strikt kontrolliert, so dass wir nur einen Blick von außen hineinwerfen können. Nach all den Menschen, dem Lärm, dem Staub, steht uns der Sinn nach Ruhe. Wir fahren die paar Kilometer zurück zum Startplatz, wo jetzt absolute Ruhe herrscht, parken etwas erhöht am Fuß der Dünen und lassen den Tag mit einem Bier und Lagerfeuer nochmal Revue passierten.






Der nächste Morgen hält eine große Überraschung bereit. Wir sind von dichtem Nebel umgeben. Wo kommt der denn her. Keine 100 Meter können wir sehen. Wir machen uns Frühstück und bemerken, dass sich der Nebel ganz langsam lichtet. Als wir startklar sind, hören wir auch den ersten Hubschrauber der Rally, der wohl feststellen soll, ob überhaupt gestartet werden kann. Als wir zur Straße zurück sind hat sich der Nebel soweit gelichtet und so können wir mit Reisegeschwindigkeit die nächsten Kilometer fahren. Das werden die langweiligsten Kilometer der gesamten Reise bisher. Die roten Dünen treten immer weiter zurück und machen einer flachen, mehr weiß, als beigen Landschaft Platz. Das allerlangweiligste Stück fahren wir am Nachmittag. 265 Kilometer bolzgeradeaus. Keine Kurve, kein Hügel, einfach Nichts. Der Tempomat steht bei 120 km/h und einzig die unglaublich vielen mobilen Radarfallen bringen Abwechslung in diese monotonen Stunden. Bunt sind nur die Auslagen in den Tankstellen und der Abendhimmel. Auch an den nächsten beiden Tagen zeigt sich die schier unglaubliche Größe von Saudi-Arabien. Wir fahren nochmal 1.100 Kilometer nach Südosten Richtung Jemen.






Petroglyphen von Hima
Bevor wir die Bergwelt des Asir erreichen, liegt noch Hima auf unserer Route. Ein magischer Ort zwischen Gebirge und Wüste, übervoll mit Petroglyphen. Gelegen, an der letzten ganzjährig wasserführenden Quelle, an den beiden traditionellen Handelsrouten der arabischen Halbinsel, Weihrauch- und Seidenstraße. Von hier führen beide in die Wüste hinaus. In diesem riesigen Gebiet erheben sich aus dem Wüstensand knappe 100 Meter hohe Felsmassive. Schwarzes Gestein das mit dem hellen Wüstensand in der Sonne stark kontrastiert. In diesen schwarzen Felsen haben frühere Reisende ihre Nachrichten hinterlassen, zumeist gut geschützt unterhalb von Felsüberhängen. In verschiedensten Sprachen, die heute längst untergangen und vergessen sind. Auf frühere Besiedlung deuten Abbildung hin die Tiere zeigen, die in der heutigen Wüste nicht leben könnten. Wir finden auch eine Szene, in der ein Vogelstrauß vom Pferd aus gejagt wird. Einen Reim auf figürliche Darstellungen können wir uns aber nicht machen. Manche sind eindeutig weiblich, andere mit breiten Schultern und nach oben geworfenen Armen, lassen uns rätseln. Die Wissenschaft ist sich auch nicht einig, wie alt manche dieser Darstellungen sind. Einige tausend oder gar zehntausende Jahre. Da in der weitläufigen Landschaft auch Beduinen leben, führen viele Pisten kreuz und quer durch die Landschaft. Obwohl wir eine detaillierte Karte haben, Google Earth mitunter nutzen können, dazu einige GPS-Koordinaten, ist die Orientierung und das Auffinden der einzelnen Orte für uns schwierig. So kurven wir in dieser wunderschönen Landschaft ebenfalls kreuz und quer und am Ende finden wir was wir suchen. Wie so oft in Saudi-Arabien, sind wir beide ganz alleine in diesem open Air UNESCO Weltkulturerbe unterwegs.















Am frühen Nachmittag überlegen wir hin und her ob wir noch eine Nacht in dieser so grandiosen Landschaft bleiben sollen. Da wir gestern zum ersten Mal überhaupt schlechtes Wasser an einer Tankstelle eingefüllt hatten, und die 100 Liter Brauchwasser am Abend zuvor in den Wüstensand ablassen mussten, und wir doch verschwitzt und staubig vom Felsklettern sind, wäre eine Dusche am Abend schon schön. So entschließen wir uns ins 150 Kilometer entfernte Najran zu fahren. Dort können wir im King Fahd Park übernachten.
Najran
Der King Fahd Park am Stadtrand erweist sich als eine Oase für uns, nach den vielen Tagen in den Weiten der Wüste. Große Rasenflächen, umrahmt von hoch gewachsenen Bäumen, die Wege zum Flanieren mit Dattelpalmen bestanden. Wir kurven ein paar Minuten herum und parken direkt unter einem dieser großen Schatten spendenden Bäume, mit Blick ins Grüne. Die Temperatur angenehme 25 Grad. Herrlich, hier bleiben wir ein paar Tage und machen Urlaub vom Reisen. Ein bisschen getrübt wird die Atmosphäre von leichtem Donnergrollen in der Ferne, das aus Richtung Süden heranweht. Es dauert etwas bis uns klar wird, um welche Art Geräusch es geht. Najran liegt nur 10 Kilometer von der Grenze zum Jemen entfernt und jenseits der Grenze findet nach wie vor ein niederschwelliger Krieg statt. Was wir hören ist Geschützdonner. Die Menschen im Park kümmert diese Geräuschkulisse nicht im Geringsten und wir halten es auch so, zumal es stundenlang auch ruhig bleibt.



Gut ausgeruht machen wir uns auf den Weg die Stadt Najran zu erkunden. Der von einem modernen Souk umgebene Palast Amarah ist zu unserem Leidwesen wegen Renovierung geschlossen. So umrunden wir diesen nur und sind enttäuscht. Wenden uns Richtung der Handwerker, welche die für diese Weltgegend typischen Krummdolche und Ledergürtel herstellen. In dutzenden kleinen Läden und direkt auf dem Boden, werden die Krummdolche angeboten. Simple mit Plastikgriff und solche mit fein gearbeiteten Silberbeschlägen. Die Bandbreite ist enorm. Ob es noch welche mit Nashorngriff gibt? Gesehen haben wir keine. In wenigen Läden werden auch Lederhalfter für kleine Pistolen angeboten und bei genauem Hinschauen werden diese auch angeboten. Scheint für manche Männer zusammen zu gehören.










Am Spätnachmittag besichtigen wir noch den Al Alan Palast hoch oben auf einem Felsvorsprung. Kurz nach dem Betreten der Anlage werden wir höflich, aber bestimmt in die Besucherlounge gebeten und werden dort mit Tee und Kaffee vom Sheikh, dem Eigentümer der Anlage, persönlich begrüßt. So sitzen wir entspannt in den Polstern schlürfen den heißen Tee und Kardamomkaffee und werden dann gebeten noch für ein Foto zu posieren. Warum auch nicht. Passiert uns fast jeden Tag. Danach können wir den Palast, oder besser gesagt, das etwas groß geratene ehemalige Wohnhaus der Familie des Sheikhs besichtigen. Zu sehen gibt es im Inneren eher wenig. Am interessantesten sind, wie so oft, Reproduktionen von alten schwarz-weiß Fotografien vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Toll der Blick vom Dach über das Wadi Najran und die benachbarten landwirtschaftlich genutzten Flächen.






Bevor wir Najran am folgenden Tag verlassen, fahren wir noch eine Tour durch das ursprüngliche Siedlungsgebiet, mit den vielen aus Lehm gebauten Häusern und Anwesen. Die Häuser stehen inmitten der Felder und Hainen der Dattelpalmen und sind faszinierend anzuschauen. Manche der Häuser sind bewohnt und machen einen tollen Eindruck auf uns, mit den weißen Zinnen in Dreiecksform und den abgesetzten Mauern die den Regen ableiten und so wenig Schaden durch den Niederschlag zulassen. Andere Gehöfte wiederum sind praktisch in sich zusammengefallen und stehen nur noch als größere Lehmklumpen in der Landschaft.








Asir Gebirge
Die Nähe zum Jemen wird uns auf der weiteren Fahrt wieder deutlich, durch die vielen Check Points die wir passieren. An manchen werden wir durchgewunken, an manchen werden wir das Übliche gefragt, nach dem Woher und Wohin und an wenigen müssen wir die Reisepässe vorzeigen. Je nach Kenntnisstand desjenigen der die Pässe anschaut, kann es länger oder kürzer dauern. Denn durch die elektronischen Visa gibt es auch keinen Einreisestempel im Reisepass und die Suche nach diesem ist somit sinnlos. Wir haben Zeit und nehmen das Prozedere wie es ist. Am letzten Checkpoint der an einer schmalen Verbindungsstraße in die Berge liegt, müssen wir etwas diskutieren, bis klar ist, wo wir genau hinfahren. Klappt gut und wie immer sind die Saudis auch alle freundlich und mit ein paar Brocken Arabisch unsererseits klappt das umso besser. Vom Check Point geht es dann in die Berge des Asir Gebirges. Die Straße schmal und die Anstiege und Abfahrten extrem steil. Bergauf mitunter nur im ersten Gang. Was uns hier auffällt, sind die doch recht großen und neuen Häuser. Wer wohnt hier? Von was leben die Menschen in dieser einsamen Gegend? Wir sehen auch keine Frauen auf den Straßen der Dörfer. Was uns auch auffällt, sind die schlichten und kleinen Moscheen. Sehen mitunter eher aus wie heruntergekommene Garagen, wenn nicht eine Andeutung eines Minaretts und ein Lausprecher auf dem Dach montiert wäre.
An einem Pass sitzen sie dann, die Mantel-Paviane. Und wir wissen, ab jetzt aufpassen, den Sprinter nicht offenstehen lassen und Fenster zu. Seit etlichen Kilometern zieht sich jetzt die Straße von Dorf zu Dorf, immer an einem Wadi entlang. Wir suchen einen Platz für die Nacht und werden kurz vor Sonnenuntergang fündig. Wir biegen von der Straße ab, durchfahren das Wadi, nehmen die Auffahrt, die nur ein steiler und steiniger Feldweg ist und haben die Straße so auf der uns gegenüberliegenden Seite des Wadis. An der Bergflanke oberhalb der Straße bemerken wir nun eine riesige Pavianherde, die wir erst hören und dann auch sehen können. Mit einbrechender Dunkelheit geben die Affen aber Ruhe. Wir hoffen mal, dass es auch so bleibt. Bleibt auch so bis zum nächsten Morgen. Vom Bett aus können wir sie hören. Die Paviane sind nun auf unserer Seite des Wadis und Joachim öffnet die Schiebtüre zum Nachschauen. Durch das Geräusch der Schiebtüre schauen alle Affen im Umkreis gebannt in unsere Richtung, türmen aber sofort, als Joachim einen Stein nach ihnen wirft. Das wäre wohl geschafft.


Minuten später hält eine Toyota Pick-up aus dem zwei Männer in Tracht und mit Blumenkräuterkränzen auf dem Kopf aussteigen. Obwohl die beiden eher klein sind, sind sie doch sehr imposante Figuren. Die bunte Tracht, der Krummdolch im Gürtel, der ältere hat noch eine kleine Pistole im Halfter, wo der Jüngere sein Handy stecken hat. Der Jüngere lässt sich auch gleich mal in einem unserer Stühle nieder, steht dann wieder auf und nimmt Joachim zur Begrüßung in den Arm. Wir praktisch kein Arabisch und die beiden praktisch kein Englisch. So geht die Unterhaltung dann mit Händen und Füssen. Zum Abschied wird Joachim nochmal kurz in den Arm genommen, die beiden steigen in ihren Toyota und wir bleiben erstmal sprachlos zurück.


Wir hatten uns vorgenommen in den Asir Bergen einige Pisten zu fahren und so die Landschaft so intensiv wie möglich zu erfahren. Um Inspiration und Details zu erhalten hatten wir schon in Dubai ein Buch mit Routenbeschreibungen gekauft. Vom gleichen Verlag hatten wir vor 10 Jahren das Off-road Buch Oman gekauft und waren sehr zufrieden mit den dortigen Vorschlägen. Leider stellen wir fest, dass viele der aufgeführten Strecken im Asir Gebirge für unseren Sprinter einfach zu schmal, zu steil, zu steinig und ausgewaschen sind. Der Sprinter ist eben kein Toyota Land Cruiser oder Hilux. Dafür hat unser ULG allen Komfort an Bord.
Eine Strecke passt für uns aber prima. Der Weg durchs Wadi Lajb. Am Eingang noch recht breit, rücken die Felswände mit zunehmender Strecke immer näher. Je weiter wir dem Wadi folgen, desto mehr Wasser fließt auf den Steinen der Fahrspur, was ein interessantes Geräusch verursacht, wenn der ULG die Steine zur Seite drückt und das Wasser unterm Auto plätschert. Nach fünf Kilometern öffnet sich das Wadi und dort befindet sich auch ein Parkplatz, an dem schon andere Touristen stehen. Wir werden von den Saudis, wie immer, sehr freundlich in Empfang genommen. Anke wird gleich von einer Gruppe Frauen vereinnahmt und als ich dazu komme und nach einem Foto frage, ziehen die Frauen ihren Niqab fürs Foto über das Gesicht. Als dann die wichtigsten Fragen an uns beantwortet sind, können wir loslaufen und weiter ins Wadi hinein gehen. Über Stock und Stein. Tief im Wadi sind die Felswände gut 300 Meter hoch. Durch Wasser, welches sich durch die Felsen seinen Weg bahnt, sind die Felswände mit Bäumen und Sträuchern bewachsen. Geregnet hat es schon lange nicht mehr, da viele der Gumpen im Bachbett trocken sind. An einer steilen Kante die 50 Meter in die Tiefe führt, ist für uns die Wanderung zu Ende und wir gehen zurück. Ein tolles Stück Natur.









Auf unserer Wanderung lernen wir eine Gruppe Männer aus Jeddah kennen, die uns zum Kardamomkaffee einladen. Auch sie tragen einen Blumenkräuterkranz und Joachim muss diesen auch erst einmal aufsetzen. Diese Kränze sind in den Asir-Bergen üblich, sollen mit den duftenden Kräutern für eine Art natürliches Parfüm sorgen und gut für die Gesundheit sein. Na dann!



Für uns bedenklich ist allerdings die Anwesenheit von bestimmt 15 Männern aus Asien, deren Aufgabe es ist, den Müll den die Saudis hier hinterlassen wieder einzusammeln. So kommt es zu der schrägen Situation, dass die Fahrspur im Wadi quasi frei von Plastikmüll ist, ein seltener Anblick, aber nur weil nach jedem Kilometer ein Müllmann mit Müllsack steht.
Ein vielgepriesenes Highlight in den Bergen ist das Dorf Raj Alma. Gelegen auf 2.000 Meter Meereshöhe und umgeben von noch höheren Bergspitzen, schmiegt es sich an einen Hang. Der erste Blick bei Ankunft fällt auf einen Bauzaun, der zweite Blick geht zu einem nicht fertiggestellten Visitor Center und wir suchen irgendwie den Eingang. Dieser stellt sich als Hintereingang heraus mit einem Security Mann der pro Person 20 SAR (5€) verlangt und als Eintrittskarte gibt es bestenfalls den Ausdruck der Kreditkartenzahlung. Nun denn. Und beim Betreten des Dorfplatzes folgt die große Enttäuschung. Die noch vor zwei Jahren malerisch am Hang liegenden Häuser sind verschandelt mit Restaurantwerbung, alle Terrassen und Plätze mit Stühlen und Tischen vollgestellt. Vom gesamten Areal ist kaum etwas zugänglich da viele Gassen versperrt sind. Wir sind maßlos enttäuscht. Als kleinen Ausgleich finden wir hoch oben in den Bergen einen Übernachtungsplatz mit weitem Blick und schönem Sonnenuntergang.










Ohne Erwartung machen wir uns auf den Weg nach Thee Al Ayn, einem ebenfalls Jahrhunderte alten Bergdorf. Ausgesucht haben wir uns eine gute 50 Kilometer lange Piste über zwei Bergrücken und einige Kilometer in einem breiten Wadi. Die Piste ist gut zu fahren und wir kommen gut voran. Leider ist die Fahrt hinter dem zweiten Bergrücken von der Landschaft her weniger attraktiv und so heißt es einfach fahren – fahren – fahren. An einer Stelle halten wir beide kurz und gleichzeitig die Luft an. Da liegt ein riesiger Felsbrocken auf der Piste. Viel zu schwer, um den mit menschlicher Kraft bewegen zu können. Wir schauen uns die Durchfahrt an. Sollte reichen. Anke dirigiert Joachim durch die Engstelle. Rechts geht es bestimmt 50 Meter tief den Abhang hinunter. Wir kommen gut durch, sind erleichtert nicht den ganzen Weg wieder zurückfahren zu müssen. Mittlerweile ist es Spätnachmittag und dunkle Wolken sind aufgezogen und wir sehnen den Beginn des Asphalts herbei. Laut unserer Routenbeschreibung müsste der hinter der nächsten Kurve beginnen. Beginnt auch, aber mit mehr oder weniger aufgebrochener Asphaltdecke und Schlaglöchern. Enttäuschung macht sich breit, aber oh Wunder, hinter der übernächsten Kehre glänzt eine nagelneue breite Straße vor uns. Auf der sind wir dann ruckzuck an einem tollen Parkplatz, an dem wir für die Nacht stehen können. Da wir nach wie vor in den Bergen sind, liegt der Platz auf 2.200 Meter und sobald die Sonne untergangen ist, wird es empfindlich kalt. Wir stellen die Heizung an und freuen uns auf eine heiße Dusche.










Es hatte sich schon angekündigt. Am Morgen wachen wir in den Wolken auf. Ein scharfer Wind treibt die Wolken über den Hauptkamm des Asir Gebirges. Die Straße verläuft für etliche Kilometer mehr oder weniger entlang des Kamms. Die Wolken sind mitunter so dicht und lassen uns so kaum 50 Meter Sichtweite. Auch von der wohl schönen Landschaft ist nichts zu sehen. Mitunter reißen die Wolken im stürmischen Wind auf und es geht schneller voran. Leichter Regen setzt ein. Anke wünscht sich einen kurzen heftigen Regenschauer um den Staub der letzten Wochen vom ULG abzuwaschen. Je weiter wir nach Norden fahren, desto dunkler werden die Wolken und um die Mittagszeit müssen wir mit Licht fahren. Urplötzlich setzt der Regen ein. Es schüttet wie aus Kübeln und innerhalb weniger Minuten steht das Wasser auf der Straße. Von links und von rechts läuft erdiges rotbraunes Wasser in den Senken zusammen. Die Natur kann den vielen Regen gar nicht so schnell aufnehmen. Dazu der stürmische Wind und hin und wieder begrenzte Sicht, wenn wir durch dichte tieffliegende Wolken fahren. So geht es gut zwei Stunden fast alleine auf der zweispurigen Straße dahin, bis wir entscheiden unsere Fahrt für heute zu beenden. Wir parken im Windschatten hinter einer großen Moschee. Am nächsten Morgen wieder blauer Himmel und Sonnenschein. Der ULG so sauber, wie mit dem Dampfstrahler gewaschen.




Auf dem weiteren Weg nach Norden liegt das verlassene Dorf Thee Al Ayn, ein weiteres mittelalterliches Dorf auf der UNESCO Weltkulturerbe Vorschlagsliste. Dorthin führt eine Passstraße wie wir sie aus den Alpen kennen. Mit Kehren, Serpentinen, langen und kurzen Tunneln und dem einen oder anderen Parkplatz, um den Blick ins Tal zu genießen. Im Tal angekommen, biegen wir von der Hauptstraße ab und haben direkt danach den ersten Blick auf das Dorf. Das sieht gut aus und macht Laune auf eine ausgedehnte Besichtigung am Nachmittag. Nach Sandwiches, Tee und Kaffee laufen wir los. Das Dorf ist perfekt restauriert, vielleicht schon zu perfekt. Es fehlt so ein bisschen Atmosphäre, ein bisschen der Charme des Alten. Schließlich ist das Dorf um 1600 gegründet worden. Der Standort ergibt sich durch den prominenten Felsen auf dem es gebaut wurde und einer nie versiegenden Quelle, die das ganze Jahr hindurch Landwirtschaft am Fuße des Dorfs ermöglicht. Fast alle Häuser sind verschlossen, was nicht weiter ärgerlich ist da die Häuser innen leer sind, wie wir an den wenigen Häusern die offen stehen bemerken können. Was uns allerdings wundert sind die Feuerlöscher die an einigen Häuserecken hängen. Was soll denn hier brennen? Im Gegenzug wären ein paar Mülleimer wesentlich sinnvoller. Denn auch hier liegen unzähligen Plastikflaschen und die bunten Verschlüsse herum.










Weit nach Sonnenuntergang wird die ganze Anlage beleuchtet. Die unterschiedlich intensiven Strahler ergeben ganz besondere Schatten, die die kantigen Häuser noch wuchtiger und abweisender erscheinen lassen.


Taif
Auf dem Weg nach Jeddah legen wir noch einen Stopp in der Stadt Taif ein. Im Zentrum befindet sich eine Moschee, benannt nach einem Cousin des Propheten Mohammed und dem Grabmal des Cousins. Da die Stadt nicht weit von Mekka und Medina entfernt ist, nehmen viele Pilger die Gelegenheit wahr und besuchen auch diese heilige Stätte. Uns gibt es einen ersten lebhaften Eindruck von den Pilgern in Saudi-Arabien. Moslems aus allen islamischen Staaten sind anzutreffen. Araber, Türken, Zentralasiaten und auch Indonesier und Malaien. Manche der Männer in der vorgeschriebenen Bekleidung der Mekkapilger mit weißem Rock und über der Schulter getragenem weißen Tuch. Dazu offene Schuhe. Wir können uns in dem Treiben einfach bewegen. Von uns nimmt niemand Notiz, da viele den Eingang der Moschee suchen, schauen, daß sie bei ihrer Gruppe bleiben oder einfach noch schnell ein Souvenir kaufen wollen. Wir sind also gespannt, was uns in Medina erwarten wird.








Jeddah
Die weitere Fahrt führt uns in einem weiten Bogen um Mekka herum nach Jeddah. Dort wollen wir als erstes Ad Blue für den Sprinter kaufen und steuern den Ersatzteilverkauf von Mercedes Truck ganz im Süden von Jeddah an. Zu unserer Verwunderung ist das ein sehr heruntergekommenes Gelände und Ad Blue haben sie auch nicht im Lager. Nächster Versuch im Autoteileviertel und dort in einer der Gegenden wo LKW-Teile verkauft werden. Mit ein bisschen herumfragen und auch Glück, finden wir einen Laden der 20 Liter zum Verkauf hat. Macht 23 € zusammen, Preis wie in Deutschland.


Die Ausdehnung von Jeddah entlang des roten Meers ist riesig. Vom Süden bis in den Norden sind es weit über 50 Kilometer und so brauchen wir bis in die Stadtmitte fast eine Stunde. Stau und Ampeln sind wir auch nicht mehr gewohnt. Den Platz den wir ansteuern zum Parken und um dort die Nacht zu verbringen, liegt direkt an der Altstadt – Al Balad. Sehr praktisch. Schön ist aber was anderes. Eine handelt sich um eine riesige Fläche, sandig, steinig, staubig, müllig. Ohne Schatten. Kompromisse die wir eingehen müssen und andere auch. Denn auf diesem Areal, das auch von den Einwohnern Jeddahs als Parkplatz genutzt wird stehen schon Ralf mit seinem MAN und Lukas mit seinem Hilux. Beide hatten wir in den letzten Monaten schon ein paar Mal getroffen. So gibt es ein nettes Hallo, wir tauschen uns über das Erlebte und die weiteren Reisepläne aus.

Die Altstadt von Jeddah, genauer das Viertel Al Balad begeistert uns auf Anhieb. Der ganze Bezirk eine Fußgängerzone. Eine Mischung aus traditionellem Souk, Restaurants und einladenden Cafés, tatsächlich genutzten Wohnhäusern und Gebäuden die gerade noch so vor dem Verfall gerettet wurden. Auch hier hat die UNESCO aus unserer Sicht Positives bewirkt und den Erhalt der Altstadt als Ensemble bewirkt. Saudi-Arabien hat in den vergangenen Jahrzehnten viele Orte mit kultureller und geschichtlicher Bedeutung einfach platt gemacht und Neues auf dem Grund erstellt. Wir lassen uns mit vielen anderen Touristen durch die schmalen Gassen treiben, setzten uns in eines der netten Cafés und schauen einfach den vielen verschiedenen Menschen zu. Die großen, herrschaftlichen und mitunter fünfstöckigen Häuser in Al Balad zeugen vom Wohlstand, den Jeddah über die Jahrhunderte erlangte. Gelegen an der Weichrauchstraße und vor allem aufgrund seiner Lage am Roten Meer, die es vielen Mekka Pilgern leichter gemacht hat die Heilige Stadt zu erreichen. Ein Abendbummel in den schön erleuchteten Wegen und Gassen bringt nochmals eine ganz andere Atmosphäre dieses Stadtteils.

















Einen komplett anderen Eindruck von Jeddah und Saudi-Arabien erhalten wir am kommenden Tag. Wir fahren in den Norden von Jeddah und ärgern uns über die unglaublich schlechte Verkehrsführung die uns Nerven kostet und mit den schlecht Autofahrenden Saudis auch keinen Spaß macht. Nicht gefährlich, aber nervig. Die Stadt ufert aus. Zwischen einzelnen Stadteilen liegen riesige Brachflächen, dann wird großflächig gebaut oder auch gerade nicht. Dann wieder Stücke von Schnellstraßen dazwischen die irgendwie beginnen und dann auch enden und auf alte schmale Straßen münden, die den Verkehr nicht aufnehmen können. Es staut, jeder drängelt, es nervt. Die etlichen Kilometer die wir der Corniche am roten Meer folgen hat so gar keinen Charme und so passieren wir diese nur und sind enttäuscht.
Unser Ziel ist die Kunst-Biennale Jeddah die in einem Teil des Pilgerflughafen stattfindet. Wir sind froh den Parkplatz nach dem Verkehr erreicht zu haben und wundern uns auch nicht mehr, als neben uns ein vielleicht 14-jähriger Junge hinter dem Lenkrad sitzt, das Auto sauber einparkt, weil er seine voll verschleierte Mutter hierhergefahren hat. Mit einem Golfcart werden wir die wenigen hundert Meter zum Eingang der Ausstellung gefahren, zu Fuß gehen, ist in Saudi-Arabien nicht populär, wir passen uns an. Eintritt ist frei, nur muss die Eintrittskarte über eine App umständlich heruntergeladen werden. Der QR-Code kommt dann ruck-zuck und nach dem Scannen des QR-Codes kann es losgehen. Der Titel der Ausstellung lautet „And God created the Heaven and the Earth and all that is in between“ und soll mittels Kunst, in diesem Fall islamische Kunst, zwischen Himmel und Erde vermitteln. Wir lesen am Eingang noch, was sich die Kuratoren so ausgedacht haben, finden aber dass es viele Worte sind mit wenig Aussagekraft. Von den Ausstellungsstücken sind wir sogleich begeistert und fasziniert. Im ersten größeren Raum hängt der schwarze Umhang der Kaaba aus Mekka, und wie wir erfahren wird dieser einmal im Jahr getauscht. Wir erhalten viele Details zum Stoff selbst und der feinen Gold- und Silber-Bestickung. Die Information erhalten wir hier von einer jungen Frau, die mit ihren Kolleginnen und Kollegen sehr angenehm und detailreich über die Ausstellungsstücke erzählen können. Was uns besonders fasziniert und auch toll zusammenpasst, ist die Mischung und gegenseitige Beziehung von alter islamischer Kunst und neuer Kunst, die speziell für diese Biennale in Auftrag gegeben wurde. Es gibt so viel zu sehen und zu bewundern, dass wir leider eine Auswahl treffen müssen. Nach zwei Stunden verlassen wir die Ausstellungshallen und sind im Freien, suchen uns einen Platz zum Sitzen und ausruhen. Denn noch haben wir einige neue und mitunter riesige Kunstinstallationen zum Besichtigen und zum Bestaunen. Sowohl körperlich angestrengt von der vielen Lauferei, als auch emotional völlig überladen mit Eindrücken verlassen wir das Ausstellungsgelände.













Jetzt noch einen Platz zum Übernachten finden und vielleicht noch ein spätes Abendessen. Der Platz für die Nacht ist ein unspektakulärer und ruhiger Parkplatz gegenüber einer Marina. Dort hat sogar das Restaurant noch geöffnet und so nehmen wir Platz. Wir finden uns in bequemen Sesseln, ein Tisch zum Essen und dazu Teller und Besteck. Hatten wir auch schon anders. Das Restaurant serviert ägyptische Küche die schmeckt und während wir essen wird das Restaurant langsam voll und das, zu recht später Stunde. Und auf der Bühne beginnen zwei Musiker mit Vorbereitungen. Was jetzt? Live Musik in Saudi-Arabien. Und tatsächlich die beiden beginnen zu spielen und zu singen. Die Saudis im Restaurant gehen von der ersten Minute an mit. Klatschen in die Hände, Pfeifen und singen manche Strophe mit. Von unserem Platz aus können wir gut sehen, dass auch die beiden Tische mit saudischen Frauen direkt an der Bühne, alle verschleiert und mit Nikab mitklatschen und die Musiker anfeuern. Wir können es kaum glauben, da vor wenigen Jahren live Musik in der Öffentlichkeit nicht möglich war und Männer und Frauen im gleichen Raum eines Restaurants auch nicht. Wir hören noch eine Weile zu und nehmen dann den Rhythmus mit ins Bett und schlafen tief und fest.

Medina
Auf den Besuch der zweitheiligsten Stätte des Islam – Medina – haben wir uns gut vorbereitet. Anke hat eine schwarze Abaja und ein schwarzes Kopftuch gekauft, welches sie auch trägt. Joachim hat ein dunkles Langarmshirt gewählt. Wir folgen dem Strom der Pilger in den heiligen Bezirk, der „Haram Zone“, in der sich die Moschee Al Nabawi. Der Zugang zu diesem riesigen Platz führt über dutzende Tore die weit offenstehen und wir laufen einfach weiter, bis wir an den Rand kommen, stehen bleiben und uns in Ruhe umschauen. Von uns nimmt niemand Notiz. Wir gehen einfach in der doch bunten Menge unter. Menschen aus allen islamischen Ländern treffen sich hier. Manche sind von uns leicht zu identifizieren. Entweder an der Sprache des Reiseführers, vor allem aber an der Kleidung. Zentralasiaten tragen ihre Filzhüte, Omanis ihre bestickten „Käppis“ und die vielen Inder und Pakistani sind oft sehr bunt gekleidet. Die großen türkischen, indonesischen und malaiischen Reisegruppen versuchen ihre Teilnehmer zusammenzuhalten, sie tragen alle eine gleiche Weste, Kopftuch oder Schal, zur Wiedererkennung. Ein besonderer Kontrast zu den schwarz gekleideten Frauen aus den Golfstaaten. Auffallend sind auch die vielen alten Menschen, oft schlecht zu Fuß oder gar im Rollstuhl. Die Pilgerfahrt nach Mekka und Medina ist eine der fünf heiligen Pflichten für Moslems.








Nach Sonnenuntergang wird der Platz vor der Moschee in ein angenehmes Licht versetzt und die Minarette der Moschee leuchten in den Nachthimmel. Viele Pilger verrichten nun ihr letztes Gebet für den Tag, zwischen denen die nicht beten, zwischen denen die am Boden sitzen und sich ausruhen oder neben denen die zu Abend essen. Sehr entspannte Atmosphäre für so viele Menschen auf engem Raum. Kein Drängeln, kein Schuppsen, alle nehmen Rücksicht. Die religiöse Bedeutung der Moschee liegt darin, dass hier der Prophet Mohammed begraben ist. Der ungefähre Ort ist von außen zu sehen an der grünen Kuppel, die sich über einem Teil der Moschee erhebt. Der Zugang ist nur männlichen Moslems gestattet. Wir drehen noch eine letzte Runde durch die Pilger im Innenhof der Moschee und machen nachdem wir den Bezirk verlassen haben noch einen Abstecher zu weiteren religiös historischen Gebäuden im Umfeld der Moschee. Haben aber keine Energie mehr auch diese Orte entsprechend zu würdigen. Auf dem Weg zum ULG bei einem pakistanischem „take-away“ noch Abendessen gekauft und dann wie so oft, in einen Park für die Nacht, um dort in Ruhe das Erlebte sacken zu lassen.





Von Medina führt unser Weg nach Norden Richtung Jordanien. Auf dem Weg liegen noch zwei Orte die wir uns anschauen wollen und die kaum unterschiedlicher sein könnten und Saudi-Arabien so faszinierend macht. Die Vulkanlandschaft mit dem schwarzen und weißen Vulkan und die Gegend um Al Ula: Roter Sand, riesige Sandsteinfelsen solitär in der Landschaft und die Begräbnisstätte der Nabatäer in Hegra.
Schwarze und weiße Vulkan
Auf dem Weg liegen zuerst die Vulkane und aus der Küstenebene geht es auf 1.700 Meter Meereshöhe hinauf, auf ein Plateau, auf dem sich die Vulkane erheben. Mit jedem Kilometer ändert sich die Landschaft, es wird trockener und wüstiger, und als wir von der Straße in die Piste einbiegen sind wir mittendrin. Die Vulkane am Horizont und wir fahren auf Lavaasche und es staubt gewaltig hinter uns. Die Piste ist nicht zu verfehlen und wir müssen uns durch zwei seit unendlich langer Zeit erkaltete Lavaströme hindurchschlängeln. Die Fahrt sehr langsam, denn die Piste ist nicht breit und die Steine sind mitunter messerscharf. Hier braucht niemand einen Plattfuß. Nach etlichen Kilometern kommen wir an einer Bergflanke an, an der wir nicht weiterfahren wollen. Zu ausgefahren die Piste, die Steine scharfkantig und zudem auch recht steil. Wir parken den ULG und gehen zu Fuß durch die weite Landschaft und dabei immer die beiden Vulkane im Blick. Zu Fuß nehmen wir die Landschaft auch intensiver wahr. Mittlerweile hat der Wind zugenommen und so sind wir froh nach zwei Stunden wieder im Sprinter zu sitzen. Wo aber einigermaßen vor dem Wind geschützt parken für die Nacht? Wir folgen den erkalteten Lavaströmen, die sich ziemlich genau drei Meter auftürmen. In einer Ecke findet der ULG Platz und wir können einigermaßen ruhig stehen. Leider wird der Wind über Nacht immer stärker und am Morgen haben wir richtig Sturm. So verlassen wir diese faszinierende Landschaft, denn eine weitere Wanderung wäre nicht möglich und das Heulen des Winds um den Sprinter herum geht auch an die Nerven.










Al Ula
So fahren wir rund 300 Kilometer weiter nach Norden und auf der Strecke passiert landschaftlich nicht viel. So sind wir sehr überrascht als sich das Gebiet von Al Ula ankündigt. Es ist schon später Nachmittag und wir finden einen grandiosen Übernachtungsplatz auf einem kleinen Plateau mit Blick auf den berühmten Elefant Rock. Hier oben so ruhig und schön, dass wir diesen Platz die nächsten vier Tage als unseren Standort für die Erkundung der Gegend nutzen.





Al Ula liegt gleich an mehreren Verbindungswegen. Die alte Weihrauchstraße, die Pilgerroute von Damaskus nach Mekka und an der seit 1920 aufgegeben Hejaz Eisenbahn, von der wir unterwegs auch ein paar Spuren im Sand aufgesucht haben. Al Ula gefällt uns auf Anhieb. Eine schön restaurierte Altstadt. In den Lehmhäusern befinden sich entweder nette Geschäft, schöne Cafés oder exzellente und teure Restaurants. Nach Wochen ohne touristische Infrastruktur, ist dies hier für uns sehr angenehm und das Restaurant, welches wir zum Lunch besuchen, mit Blick in die Oase, ist ein wunderbarer Wohlfühlplatz.







Für den nächsten Tag haben wir eine Tour gebucht, um die UNESCO Weltkulturerbestätte Hegra zu besuchen, was nur im Rahmen einer geführten Bustour möglich ist. An sich nicht so was für uns, aber wir haben nette Begleitung aus der Schweiz und Österreich. Hegra war der südlichste Ort des Nabatäer Reiches und hatte seine kulturelle Blütezeit von 100 v.Chr. bis 100 n.Chr. In dieser Zeit sind die Grabstätten entstanden. Tief in den Felsen geschlagene schmucklose Räume in denen die Toten einer Familie oder Sippe bestattet wurden. Die Führerin erklärt einige Details zu den an den Außenfassaden angebrachten Verzierungen. So die fünfstufen Treppen an den oberen Rändern die den Übergang ins Jenseits symbolisieren, oder die beiden Schlangen oberhalb des Eingangs welche Grabräuber abschrecken sollte. Die Gräber geben uns einen ersten Vorgeschmack auf die wesentlich imponierenden Gräber bei Petra in Jordanien. Dort wollen wir in den nächsten Tagen hinreisen, legen aber noch zwei Tage Pause in Tabuk ein, bevor wir die Grenze nach Jordanien überqueren.









